Castingshows sind für Marianne Rosenberg “reine Menschenverwertungsmaschinen”

Marianne Rosenberg, Schlagerprinzessin der 1970er Jahre, veröffentlicht aus ihrem im nächsten Jahr erscheinenden Album vorab einen Song im Internet, in welchem sie mit Castingshows hart ins Gericht geht. “Lauf Kleine” heißt der Song. Es geht darum, eine “Kleine” vor den Fängen einer reinen “Menschenverwertungsmaschinerie” zu retten.

“Sie verkleistern dein Hirn. Sie lutschen deinen Traum. Sie haben kalte Steine in ihrer Brust statt einem …Herz.”

So beginnt Marianne Rosenbergs neuer Song “Lauf Kleine“. Sie beschreibt darin, was sie empfand, als sie beim Durchzappen durch die Programme bei einer Castingshow hängenblieb. Wohl nicht nur einmal, denn sie kennt zumindest Deutschland sucht den Superstar und Germany´s Next Topmodel. Ihrer Vorab-Veröffentlichung im Internet fügt sie ein Statement bei, aus dem dies eindeutig hervor geht:

“Dicke Tränen rollten über ihr schönes Gesicht. Sie versuchte sie zurückzuhalten, die kleine Kämpferin. Vorher hatte sie sich im Bad eingeschlossen, man hatte ihre wundervolle Mähne streichholzkurz heruntergeschnitten. Sie fühlte sich nun fremd mit sich und entstellt und hatte die Gewalt über ihr Erscheinungsbild verloren. Eine hohe schneidende Stimme bestätigte ihr jedoch, dass sie jetzt einzigartig sei und eine Chance für eine Karriere als Model hätte”

und:

“Ein anderes Mal blieb ich auf einer weiteren Menschenverwertungsmaschine hängen, da sang eine “Kleine” um ihr Leben. Ihre Lippen bebten und auch sie weinte, als ihr Traum zerplatzte.”

Mitleid mit den Kandidatinnen und Kandidaten spricht aus ihrer Seele. Sie leidet mit den Verlierer/innen, wenn sie weinend derbe Kritik einstecken müssen. Besonders Dieter Bohlen ist ihr ein Dorn im Auge. Gegenüber der Bild äußerte sie:

„Wenn jemand so gut das Arschloch der Nation spielt, wollen die Leute das einfach sehen. Die haben mehr Spaß daran, wenn jemand niedergemacht wird, als dass jemand etwas Nettes und Aufbauendes sagt. Das ist nun mal der Voyeurismus unserer Gesellschaft.“

Marianne Rosenberg macht sich Sorgen um die Gescheiterten, wie sie mit dieser Niederlage umgehen, aber auch um die Erstplatzierten, die anschließend in Knebelverträgen keine Rechte mehr auf ihren eigenen Song oder ihr eigenes Bild haben. In diese Kritik fließen wohl ihre eigenen Erfahrungen ein.

Marianne Rosenberg, die nächsten Monat 55 Jahre alt wird, wurde bekannt, nachdem sie 1969 mit 14 Jahren bei einer Talentshow mit “Mr. Paul McCartney” entdeckt wurde. Sie erhielt einen Plattenvertrag, wurde mit ihren Schlagern “Marleen”, “Er gehört zu  mir” und “Ich bin wie Du” zum Star. Erst in den 1980er Jahren löste sie sich von ihrem Schlagersternchen-Image, welches ihr zu langweilig war. In einem Interview sagte sie vor fünf Jahren:

“Ich habe hart daran gearbeitet, die Fäden der Marionette, die man fast aus mir gemacht hätte, zu kappen.”

Kritik ist immer gut, um Dinge zu verbessern. Das Lied “Lauf Kleine” und Marianne Rosenbergs Statement sollen zum Nachdenken anregen. Doch hätte der Tochter eines Mannes, der Auschwitz überlebt hat, ein anderes Vokabular besser zu Gesicht gestanden als ausgerechnet “Menschenverwertungsmaschine”.

Immerhin haben einige der Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen eine Castingshow als Sprungbrett genutzt, z.B. Dominik Büchele, Mehrzad Marashi, Lena Gercke oder Sarah Knappik. Es kommt auf den Einzelnen an, auf sein Potential und seine Persönlichkeit.

Über den Autor: Vergangenen Sommer habe ich den Schuldienst als Lehrerin (Latein; Religion) quittiert, um mich beruflich neu zu orientieren. Nun gebe ich noch ein paar Stunden an einem Berufskolleg und arbeite als freie Texterin.

RSSKommentare (3)

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  1. yoyo sagt:

    Ihre Augen sind kalt. Ihre Gesichtszüge sind herb.
    Nicht umsonst wurde sie zur Ikone der Schwulenbewegung.

    Heute kann sie sich aufblasen, damals war sie Dankbar für das Casting.

  2. Schweizer Garde sagt:

    Was für ein zynischer Satz: “Doch hätte der Tochter eines Mannes, der Auschwitz überlebt hat, ein anderes Vokabular besser zu Gesicht gestanden als ausgerechnet “Menschenverwertungsmaschine”.”

    Völlig unpassend und unangemessen. Muss man sich sein Vokabular jetzt anhand seiner Wurzeln zurechnen lassen?

    Und an “YoYo”: Sinnentleerter Kommentar, oder soll man daraus schließen, dass Du Schwule nicht magst?

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